Völker der Welt, schaut auf diese Stadt

Ihr Völker der Welt, ihr Völker in Amerika, in England, in Frankreich, in Italien! Schaut auf diese Stadt und erkennt, daß ihr diese Stadt und dieses Volk nicht preisgeben dürft und nicht preisgeben könnt! Es gibt nur eine Möglichkeit für uns alle: gemeinsam so lange zusammenzustehen, bis dieser Kampf gewonnen, bis dieser Kampf endlich durch den Sieg über die Feinde, durch den Sieg über die Macht der Finsternis besiegelt ist.

Das Volk von Berlin hat gesprochen. Wir haben unsere Pflicht getan, und wir werden unsere Pflicht weiter tun. Völker der Welt! Tut auch ihr eure Pflicht und helft uns in der Zeit, die vor uns steht, nicht nur mit dem Dröhnen eurer Flugzeuge, nicht nur mit den Transportmöglichkeiten, die ihr hierherschafft, sondern mit dem standhaften und unzerstörbaren Einstehen für die gemeinsamen Ideale, die allein unsere Zukunft und die auch allein eure Zukunft sichern können. Völker der Welt, schaut auf Berlin! Und Volk von Berlin, sei dessen gewiß, diesen Kampf, den wollen, diesen Kampf, den werden wir gewinnen!

Ernst Reuters Rede am 9. September 1948 vor dem Reichstag

Der kalte Krieg ist vorbei, die Mauer ist weg. Ein Innenstadtflughafen wird nicht mehr gebraucht. Dennoch ist dieser Text aktuell. Die Völker der Welt schauen auf diese Stadt. Die Zugriffsstatistiken zeigen, dass ein großer Teil aus Großbritannien kommt (30%). Neben Menschen aus den USA greifen noch Menschen aus 36 anderen Ländern zu. Völker der Welt, schaut auf diese Stadt, in der es eine Hand voll Populisten geschafft hat, die Stadt zu spalten. Risse gehen durch Familien, wie in Trumps Amerika. Die Konsequenzen eines Ja im Volksentscheid wären verheerend, so wie die des Brexit. Bei einer Offenhaltung würden Milliarden-Kosten auf Berlin zukommen, eine Welle von Gerichtsprozessen, eine enorme Verschwendung von Steuergeldern, die an anderen Stellen dringend gebraucht werden. Bei Entscheidungen bezüglich der Offenhaltung müssten der Bund, Brandenburg und Berlin einstimmig beschließen. Da sowohl Brandenburg als auch der Bund für eine Schließung sind, wird Tegel wohl geschlossen werden, auch wenn mit Ja abgestimmt wird. Die Regierung wird bei einem Ja wohl ihrem Prüfauftrag nachkommen und wegen der Sicherheitsrisiken, der Gesundheitsschäden und wegen der rechtlichen Probleme zu dem Schluss kommen, dass Tegel geschlossen werden muss. Das wird den Unfrieden in der Stadt verstetigen. 

Wir werden kämpfen und das Einzige, was diese Stadt retten kann, ist ein Nein! Denn bei einem Ja wird auf immer Unfrieden in der Stadt herrschen. Lasst uns das Dröhnen der Flugzeuge in Berlin beenden. Stimmt mit Nein!